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Die Macher hinter den Machern in Hochfranken

Die Macher hinter den Machern in Hochfranken

Ein Text von Pascal Bächer und Patrick Leitl

Zwischen Naila und Wunsiedel, Stammbach und Selb ist richtig was los. Oper oder Rockfestival, Kleinkunst- oder Felsenbühne, Schlappen- oder Filmtage und sportliche Großereignisse – Hochfranken bietet Woche für Woche ein volles Programm. Ob kultur- oder sportbegeistert: langweilig muss hier niemandem werden. Das ist vor allem den zahlreichen Vereinen und Verbänden zu verdanken. In ihnen engagieren sich Hunderte, die kein Geld bekommen, aber machen – die Bühnen bauen, Tische stellen, Künstler holen, Verpflegung organisieren; die planen, organisieren, schleppen – und gemeinsam am dichten, bunten Freizeitleben Hochfrankens stricken. Sie sorgen dafür, dass sich der Nordosten Oberfrankens nicht vor den großen Ballungsräumen zu verstecken braucht.

Zu sehen sind viele Triathleten die durch einen See schwimmen
Was haben ein erfolgreicher Automobilzulieferer, ein Spezialist für Anlagenbau und ein regionales Kreditinstitut mit Jazzkonzerten, Ausdauersportlern und Nachbarschaftshilfe zu tun? Sehr viel sogar. (GEALAN Triathlon, ein Bild von Marcus Schädlich/Frankenpost)

Hinter den Vereinen stehen oft zuverlässige Partner, ohne die wenig bis nichts gehen würde: Unternehmen, die sich weit über das übliche Maß im Sponsoring engagieren.

Die Diakonie Hochfranken

„Social entrepreneurship“ heißt das neudeutsch, für viele Betriebe der Region hat es aber langjährige Tradition. „Viele leben das ‚soziale Unternehmertum‘ seit Jahrzehnten, lange bevor es den Begriff des Social Entrepreneur gab“, sagt Manuela Bierbaum, Geschäftsführerin der Diakonie Hochfranken. Das größte Sozialunternehmen Hochfrankens arbeitet auf verschiedenen Ebenen mit Unternehmen zusammen, bildet seit zwanzig Jahren in Kooperation mit rund 50 Betrieben benachteiligte junge Menschen aus, organisiert Benefiz-Veranstaltungen wie die Junior Champions Gala. Grob vereinfacht – erklärt die Sozialexpertin – geht es beim sozialen Unternehmertum, darum, „dass Erfolg aus Sicht der Unternehmen nicht allein auf Basis finanzieller Profite, sondern auch anhand des gesellschaftlichen Nutzens bewertet wird.“

Manuela Bierbaum
Manuela Bierbaum, Diakonie Hochfranken: „Erfolg basiert nicht allein auf finanziellem Profit, sondern wird anhand des gesellschaftlichen Nutzens bewertet.“

Das Beispiel GEALAN Formteile: Engagement für den Sport

Eines dieser Unternehmen ist der Oberkotzauer Mittelständler GEALAN Formteile. Seit 15 Jahren unterstützt er neben etlichen regionalen Sportvereinen auch den Triathlon der IfL Hof. Ein sportliches Highlight, das jedes Jahr rund 500 Top Athleten und Freizeitsportler aus dem In- und Ausland anzieht. Für die Traditionsveranstaltung ist die Unterstützung aus Oberkotzau unverzichtbar, betont Michaela Franke, Vorsitzende der IfL Hof e.V.: „Würde GEALAN als Hauptsponsor zurücktreten, weiß ich nicht, ob der Wettkampf für uns noch durchführbar wäre.“ Dabei geht es nicht allein um das liebe Geld. Die Hofer Ausdauersportler können auf Firmenfahrzeuge zurückgreifen, um zu Wettkämpfen zu fahren, Mitarbeiter organisieren eigens eine Fankurve, die in Sachen Stimmung locker mit der Tour de France mithalten kann.

Gerhard Laubmann
Gerhard Laubmann: „Mit unserem Engagement tragen wir als Unternehmen Verantwortung für das öffentliche Leben.“

Aber warum macht ein Unternehmen das? „Weil uns die Region am Herzen liegt!“, antwortet Gerhard Laubmann, Geschäftsführer der GEALAN Formteile GmbH, wie selbstverständlich. „Mit unserem Engagement tragen wir als Unternehmen Verantwortung für das öffentliche Leben, indem wir uns als verlässlicher Partner im sportlichen, karitativen wie mildtätigen Bereich zeigen“. Entsprechend breit aufgestellt ist das soziale Engagement des international agierenden Mittelständlers. Vor allem der Sport hat es den Firmenchefs angetan, denn „er stärkt den Teamgeist und vermittelt ganz wesentliche Fähigkeiten wie Selbstvertrauen und Fairness.“ Eigenschaften also, die fürs Berufsleben hilfreich sind. Und was für den Sport im Allgemeinen gilt, trifft auf die Königsdisziplin des Ausdauersports im Besonderen zu. Ehrgeiz, Beharrlichkeit, Idealismus – die Vielseitigkeit, die dem Sportler abverlangt wird, fasziniert Laubmann. Das Engagement seines Unternehmens kommt nicht von ungefähr. Laubmanns Eltern gründeten die IfL mit, schon als kleiner Bub verbrachte er viel Zeit in dem Verein. Die Verbundenheit ist lang und tief, Laubmanns Begeisterung bis heute echt: „Der GEALAN Triathlon ist einer der schönsten Landschaftstriathlons überhaupt!“

GEALAN-Triathlon

Den Triathlon der IfL Hof gibt es seit 36 Jahren. Er ist einer der ältesten Triathlon-Wettkämpfe in Deutschland. Unter den circa 500 Teilnehmern starten nicht nur Top-Athleten aus diversen Ligen, sondern auch Hobbyathleten können sich in dem Wettkampf rund um das Naherholungsgebiet Untreusee in den Disziplinen Laufen, Schwimmen und Radfahren beweisen. Neben einem Staffelwettbewerb gibt es die Strecken „Kurz“, „Sprint“ und „Volkslauf“.
www.ifl-hof.de/gealan-triathlon

Das Beispiel Kulturwelten: Kooperation und Vernetzung führen zum Erfolg

Heinz König, Cheforganisator der Helmbrechtser Kulturwelten, ist erschöpft, aber zufrieden. Rund 60 Veranstaltungen in vier Monaten liegen hinter ihm. Ob Kabarett, Blues, Jazz oder Pop: Die Kulturwelten sind extrem vielfältig. „Die Stimmung ist einzigartig: Die Künstler sind durchweg begeistert vom Publikum, das wiederum ihre Leistung oft frenetisch bejubelt.“ Dass das alles so klappt, verdankt König neben seinem Team und der Stadt Helmbrechts rund 40 Unternehmen, die das Festival meist seit mehreren Jahren als Kooperationspartner unterstützen. „Ohne sie würde es die Kulturwelten nicht geben“, sagt er klar und deutlich. Ihr Engagement allein ermögliche Qualität und Vielfalt. Dabei liegt es ihm immer am Herzen, dass es neben Geld auch um die Rolle der Partner als Multiplikatoren geht. Im Gegenzug erhalten die Unternehmen neben Werbemöglichkeiten Freikarten für Mitarbeiter und Platzreservierungen – begehrte Leistungen bei den fast immer ausverkauften Veranstaltungen.
König sieht die Kulturwelten als Gemeinschaftsprodukt. Es geht allen Beteiligten um die Sache: Ein einmaliges Kulturangebot in der Region. Und so kommen mit Hannes Wader, Al Di Meola und Jan Garbarek internationale Stars, andererseits aber auch Szenetipps nach Helmbrechts. So sieht das auch Andreas Sell, Geschäftsführer der Sell GmbH, Technik-Unternehmen mit Hauptsitz in Helmbrechts und Niederlassungen von München bis Berlin: „Die Kulturwelten bringen Helmbrechts‚in aller Munde‘. Als Arbeitgeber brauchen wir ein attraktives Umfeld. Das schafft Lebensqualität für unsere Mitarbeiter.“ Die Kulturwelten sind Standortfaktor. Das Unternehmen unterstützt aber auch andere Veranstaltungen: sei es der Hinterhof-Rock des Jugendstadtrats oder ein Muck-Turnier am Gymnasium Münchberg. Für Sell ist dieser Einsatz eine Selbstverständlichkeit: „Wir sehen ihn als unsere Verpflichtung. Speziell für Hochfranken ist das Engagement von Unternehmen, meist Familienunternehmen, nicht zu ersetzen.“ Und so bleibt Sell in den nächsten Jahren einer der Hauptsponsoren der Kulturwelten.

„Als Arbeitgeber brauchen wir ein attraktives Umfeld. Das schafft Lebensqualität für unsere Mitarbeiter.“ – Andreas Sell, Geschäftsführer Sell GmbH, Helmbrechts

Zu sehen ist ein Gitarrenspieler vor einem Schlagzeug auf den Kulturwelten Helmbrechts
Kulturwelten Helmbrechts, ein Bild von Ralf Standke/ rst-photographie

Die Kulturwelten starteten im Jahr 2003. Sie entwickelten sich von einer kleinen Veranstaltungsreihe mit wenigen Konzertabenden meist regionaler Künstler zu einer überregional bedeutenden Kulturreihe mit rund 60 Veranstaltungen pro Herbstsaison und renommierten Künstlern aus der ganzen Welt. Organisiert werden die Kulturwelten von Heinz König als Vorsitzendem des Vereins „Oberfränkisches Textilmuseum e.V.“ und seinem Team. Die Konzerte finden im Multivisionsraum des Museums, im Bürgersaal des Rathauses, aber auch in der Johanniskirche und an anderen Spielstätten in Helmbrechts statt.

www.textilmuseum.de

Das Beispiel Sparkasse: Tradition, Auftrag, Big Player

Unter den Machern hinter den Machern zählt die Sparkasse Hochfranken zweifellos zu den Big Playern in der Region. Auf die Frage, wen das Kreditinstitut konkret unterstützt, kann Vorstandsvorsitzender Andreas Pöhlmann gar nicht alle Spendenempfänger aufzählen. Es sind einfach zu viele. „Pro Arbeitstag werden bei uns im Haus rund fünf Spendenzusagen getroffen. Im Jahr 2018 hat sich unser Gesamtengagement auf 1,3 Millionen Euro summiert.“ Vom Breitensport über Jugendarbeit, Kindergärten und Schulen bis hin zu Brauchtumspflege – die Sparkasse Hochfranken unterstützt, wo sie kann. „Unsere Identität und unser Selbstverständnis sind nachhaltig davon bestimmt, dass wir für das Gemeinwohl arbeiten“, erklärt Pöhlmann. Neben ihrem Kerngeschäft gehört das gesellschaftliche Engagement gleichermaßen zum Auftrag der Sparkasse, ist Teil ihrer DNA.

Besonders stolz ist Pöhlmann auf den Verein „Hilfe für Nachbarn“, ein gemeinsames Projekt mit der Frankenpost. Hier sind es zwar Privatpersonen und Unternehmen, die für Not leidende Menschen aus der Region spenden. Die Verwaltungskosten tragen jedoch Frankenpost und Sparkasse gemeinsam; um Empfang und Weiterleitung der Spendengelder kümmert sich die Sparkasse. Durch die Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsverbänden ist gewährleistet, dass die Unterstützung auch dort ankommt, wo sie gebraucht wird.

Verantwortung übernehmen.

Genau hier kommt das zum Tragen, was aus Sicht von Diakoniechefin Bierbaum wichtig ist. Soziales Unternehmertum sei zwar vielschichtig, bei allen Unterschieden geht es aber immer um Werte, um Vertrauen und Kooperation: Die Sparkasse kooperiert mit der Diakonie sowie anderen karitativen Einrichtungen bei „Hilfe für Nachbarn“, die Diakonie wiederum arbeitet mit Unternehmen bei der Ausbildung benachteiligter junger Menschen zusammen. Seit 15 Jahren ist GEALAN Formteile ein verlässlicher Partner der IfL Hof und die Kulturwelten profitieren von der wechselseitigen Unterstützung von Unternehmen wie der Sell GmbH. Man kennt sich, man unterstützt sich – gemeinsam für die Region und den Zusammenhalt der Gesellschaft.

Gerade in Hochfranken gebe es „ein stark ausgeprägtes Verantwortungsgefühl“, erläutert Manuela Bierbaum. Die sich daraus ergebenden Aktivitäten und Netzwerke stärken schlussendlich auch den Standort. Als Beweis genügt allein ein Blick in den Veranstaltungskalender.

Zu sehen ist eine Scheckübergabe in der Sparkasse
Pro Arbeitstag werden in der Sparkasse Hochfranken rund fünf Spendenzusagen getroffen, 2018 kamen 1,3 Millionen Euro zusammen.

Mit dem Verein „Hilfe für Nachbarn e.V.“ hat die Sparkasse Hochfranken in Kooperation mit der Frankenpost ein Netzwerk zwischen Wohlfahrtsverbänden, Wirtschaft sowie den Landkreisen Hof und Wunsiedel und der Stadt Hof geschaffen. Es verfolgt das Ziel, möglichst unbürokratisch Nöte im Alltag von Menschen zu lindern. Rund 100.000 Euro werden hierzu jährlich gesammelt. Dabei bleibt kein Cent für Verwaltung und Bürokratie auf der Strecke, sondern alles kommt hilfesuchenden Menschen in der Region zugute. Kinder bekommen barrierearme Kinderzimmer, Kranke Zugang zu neuen Therapieformen und Familien werden in Belastungssituationen unterstützt.
www.hilfe-fuer-nachbarn.de

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Zu sehen ist die Landschaft Hochfrankens

Hochschule Hof – Stark im Bereich Green-Tech

Wie Hochschulen für angewandte Wissenschaften ihre Region voranbringen können, zeigt sich an der Hochschule Hof. In Hochfranken und damit abseits der Metropolen gelegen, ist die nach wie vor sehr familiäre Bildungseinrichtung gut 25 Jahre nach ihrer Gründung einer der wichtigsten Innovationstreiber Hochfrankens.

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