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Bleed Clothing und GEALAN: Im Angesicht der Zukunft

Bleed Clothing und GEALAN: Im Angesicht der Zukunft

Ein Text von Maria Brömel – Bilder von Florian Wachter

Wer Innovation lebt, sieht nie nur, was er heute ist, sondern immer auch, was er morgen sein kann. GEALAN Fenster-Systeme aus Oberkotzau und bleed clothing aus Helmbrechts beherrschen diese Selbstbespiegelung. Hier Kunststoff, da Textil. Hier Systemhaus der Baubranche, da Öko-Fair-Fashion. Hier Mittelstand mit fast einem Jahrhundert Tradition, da erwachsen gewordenes Start-Up. Hier 1.400 Mitarbeiter, da zwölf. Verschiedene Welten, in denen der Weg zu Innovation überraschend parallel verläuft.

Zu sehen ist Ivica Maurovic mit VR Brille
Zu sehen ist eine Aufnahme von Ivica Maurovic

Die eigene Zukunft sehen – so beginnt Innovation. GEALAN-Geschäftsführer Ivica Maurović bewegt sich in virtuellen Räumen, in denen Fenstersysteme erlebbar werden.

Zu sehen ist Lena Grimm, wie sie einen Schuh auf ihrem Finger balanciert.
Zu sehen ist eine Aufnahme von Lena Grimm

Selbstreflexion und Mut – Innovation ist ein Balance-Akt. Lena Grimm designt für bleed Produkte, die wie dieser Sneaker das Gleichgewicht der Natur wahren.

Es dauert keine zwei Minuten und Lena Grimm (26), Designerin und Produktmanagerin bei bleed, und GEALAN-Geschäftsführer Ivica Maurović (48) sagen denselben Satz: „Wir wollen Innovation.“ Mit Betonung auf „wollen“. Das ist der Satz, mit dem alles beginnt. Er ist die Absage an herkömmliche Unternehmenskultur, das Ende der Komfortzone. In einer Welt, in der Veränderung die einzige Konstante ist, ist Innovation eine Notwendigkeit. „Wenn wir nicht innovativ sind“, sagt Maurović, „wird es uns nicht mehr geben.“ Und doch ist Innovation mehr als schieres Müssen. Innovation ist eine Entscheidung. bleed hat sie gleich bei seiner Gründung vor elf Jahren getroffen: „Wir unterscheiden uns von anderen Marken aus dem Öko-Fair-Bereich, weil wir mit neuen Materialien neue Produkte designen“, sagt Lena Grimm. GEALAN trägt seine Entscheidung sogar im Logo: „Innovation mit System“ steht auf jeder Visitenkarte. Konkret will GEALAN in jedem seiner Märkte in den nächsten fünf Jahren innovativster Partner sein. Die Entscheidung für Innovation ist der Startschuss, was danach kommt, ist nicht nur Reden, sondern Handeln.

Vom menschlichen Gehirn lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob es digital oder analog arbeitet, mit Sicherheit aber, dass es auch in der digitalisierten Welt der Ursprung von Innovation bleibt – weil es Ideen hat. „Uns kommen Ideen, weil wir noch relativ viel spinnen“, sagt Lena Grimm. „Wir haben kein so festes Korsett an Abläufen, wachsen aus eigener Kraft. Wir alle können frei denken.“ Eine Offenheit, die auch GEALAN fördert: „Wir motivieren unsere Mitarbeiter, ihre Ideen rüberzubringen und zu sagen, hey, ich kann was verbessern“, so Maurović. Mit Erfolg: Pro Jahr bekommt GEALAN mehr als zweihundert Verbesserungsvorschläge aus seiner Mitarbeiterschaft. Innovation entsteht in den Köpfen.

Bei der Entwicklung von Ideen betonen Grimm und Maurović unisono die Nähe zum Produkt, „Wir tragen unsere Teile selbst auf der Haut, spüren, was funktioniert“, sagt Grimm. Maurović ergänzt die Nähe zum Kunden: „Wir fragen immer, was braucht er? Welches Kundenproblem lösen wir mit einem neuen Produkt?“ Wobei Produkt auch Dienstleistung heißen könne, Prozess, Technologie, Geschäftsmodell.

Als Unternehmen in den Spiegel zu sehen, bedeutet Außensicht, Selbstkritik, jeden einzelnen Schritt zu analysieren. GEALAN denkt entlang seiner gesamten Wertschöpfungskette und überlegt, welcher Teil welche Innovation braucht. Das Unternehmen produziert nicht komplette Fenster, sondern Profilsysteme, aus denen Fensterhersteller Fenster bauen, die sie an

„Unsere Inspiration ist es, Menschen zu begeistern! Mit innovativsten Fenstersystemen, Oberflächen und digitalen Lösungen setzen wir Trends und bilden den Rahmen für die Welt der Fenster.“

Ivica Maurović

Wiederverkäufer und diese an Endkunden verkaufen. Die 36.000 Produktvarianten, die GEALAN herstellt, müssen sich perfekt in diese Kette einfügen, kompatibel sein. Innovation ist ein Puzzleteil mit komplizierten Rändern. bleed kennt das auf anderer Ebene. Ein Öko-Statement auf ein Kleidungsstück zu drucken, ist einfach. Schwierig wird es, wenn das wirklich hundertprozentig nachhaltig produziert werden soll – der konsequente Anspruch von bleed-Fashion, dem jedes Jahr zwei Kollektionen entsprechen müssen. Für seine Bademode arbeitet bleed mit ECONYL, einem Material aus recycelten Fischernetzen, Gürtel und Patches sind aus Kork, Geldbeutel aus Jacroki, einem Papier-Latex-Material. Beim bleed Eco4-Sneaker besteht die Sohle aus recycelten Autoreifen, die Innensohle aus Kork, das Obermaterial aus Bio-Baumwolle und recyceltem Polyester. Wer ihn trägt, hinterlässt klimaneutrale Fußabdrücke. Bis der Sneaker fertig war, hat es vier Jahre gedauert. „Viele denken, Innovation muss schnell gehen“, so Lena Grimm, „in Wahrheit braucht sie oft Zeit, Geld und Energie.“

Entscheidend sind auch die richtigen Partner. Als kleines Unternehmen verfügt bleed nicht über die Ressourcen, alle Textilien selbst zu entwickeln. Tierleid- und giftstofffreie, recycelbare Materialien bezieht das Label von einem großen Textilentwickler, im Gegenzug testet und bewertet bleed die Textilien und etabliert sie im Markt. „Von der Symbiose profitieren beide Seiten“, sagt Grimm. Im Falle GEALANs wäre GEALAN der große Partner, der sich Innovation auch außer Haus einkaufen könnte – ein Weg, den das Unternehmen aber nicht gehen will. Zwar arbeitet das Fenstersystemhaus projektbezogen mit Universitäten und Beratern zusammen, grundsätzlich aber setzt es auf Kompetenz im eigenen Haus und eigene Teams, die sich so kompetent und gezielt mit Themen befassen, dass sie, so Maurovićs Überzeugung, in ihrem Bereich mit jedem Start-Up mithalten können. Bei bleed bedeutet Team: alle zwölf Leute. Bei GEALAN kann Team bedeuten, dass Produktmanagement, Marketingabteilung, Technische Abteilung und IT gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Als junger Wilder kann bleed unkonventionell denken. Als Mittelständler mit Verantwortung für 1.400 Mitarbeiter agiert GEALAN strukturiert, setzt strategische Ziele, übersetzt sie in Einzelindikatoren, misst deren Erfüllung. Das sind große Unterschiede im Wie, aber nur kleinere im Was. So oder so: Innovation ist Teamarbeit.

Aufgabe der Teams ist es, Lösungen für die digitale Zukunft zu entwickeln. Maurović nennt Technologien wie Robotik, künstliche Intelligenz, Virtual und Augmented Reality, die die Märkte GEALANs verändern. Fenster sind ein relativ abstraktes Produkt, bis sie eingebaut sind. GEALAN ändert das mit seinem virtuellen Showroom: Der Kunde setzt eine Virtual Reality-Brille auf und wählt die Farbe seiner Fenster, testet ihre Schallschutzeigenschaften, öffnet, schließt, erlebt sie. Über die Applikation für Augmented Reality, die auf dem Tablet sämtliche Fensterprofil-Varianten in 3D zeigt, verfügt GEALAN genauso wie über Intelligent Product Solutions, die Fenster via Chip smart, ihre Eigenschaften auslesbar und cloud-verfügbar machen. Business Information Modelling, eine relativ neue Software-Lösung, hebt die Bauwerksplanung insgesamt auf die Ebene der Virtualität. All diese Anwendungen zeigen: Innovation ist nie nur ein Produkt. Zu ihr gehört alles, was das Produkt sichtbar macht und kommuniziert. Für bleed bedeutet das nicht nur, sämtliche Social-Media-Kanäle für Marketing zu nutzen, seinen Auftritt und seine Kommunikation immer neu in Einklang mit deren Algorithmen zu optimieren und den Webshop an neueste Smartphone-Standards anzupassen, sondern auch, immer neu seine Botschaft zu kommunizieren, Kunden zu erklären, dass die Verwendung von Kork Bäume nicht zerstört, dass Kunstfasern nachhaltiger sein können als Naturfasern, dass Mode und ethisches Handeln keine Gegensätze sein müssen.

Wir spüren keinen Druck, Innovation leisten zu müssen. Wir haben eher Spaß daran, zu schauen, was ist cool, was ist anders, was ist besser.

Lena Grimm
Zu sehen ist ein GEALAN Mitarbeiter, wie er an einer Maschine arbeitet
GEALAN

GEALAN zählt zu den bekanntesten Industriemarken Hochfrankens. Seit 50 Jahren produziert das Unternehmen mittels Kunststoff-Extrusion Fensterprofile. Seit 2014 gehört die GEALAN-Gruppe zur VEKA AG. In Oberkotzau sitzt das Technologiezentrum mit Entwicklung, IT, Finanzen, Human Resources, Vertrieb; die Produktion im thüringischen Tanna. GEALAN hat ca. 1.400 Mitarbeiter und ist in 35 Ländern tätig. 2018 lag der Umsatz bei 240 Millionen Euro. Zu den wichtigsten Produktinnovationen des Unternehmens gehören acrylcolor (die Verbindung von farbigem Acrylglas mit PVC via Coextrusion), die Intensiv-Kerndämmung (mit Polyurethan ausgeschäumte Profile), die Statische Trockenverglasung, die die Statik verbessert und sehr große Fensterelemente ermöglicht, und das System KUBUS.

Innovation braucht Kommunikation als Trägermedium. Nur dann kann sie Kunden überzeugen. Oder sie scheitert. Das kann passieren. „Wenn Sie immer nur hundertprozentig sichere Lösungen entwickeln wollen, bin ich nicht sicher, ob das überhaupt Innovation ist“, sagt Ivica Maurović. Allerdings sollten Ideen, wenn, dann noch in der Entwicklungsphase scheitern, weil der finanzielle Schaden gering bleibt. Noch besser ist es, keine Fehler zu machen. GEALAN siebt Ideen deshalb vorsichtig aus und betreibt genaue Analysen. Eine Idee, die heute noch nicht realisierbar ist, kann es in einem Jahr sein. „Manche Ideen scheitern am Material, an der Produktionsdauer, an der Realität“, sagt Lena Grimm. Wichtig ist bleed, dann nicht ängstlich zu werden. Innovation ist immer Risiko und braucht Mut.

GEALAN und bleed sehen sich selbst mit wachem Blick und gestalten ihre Zukunft. Als zwei grundverschiedene Unternehmen stehen sie doch für die gleiche Haltung: Sie tun nicht einfach nur, was sie am besten können, interessieren sich nicht nur für Effizienz, sondern haben den Kopf frei für Neues und eine Hand frei, um es auch umzusetzen. Bei Ivica Maurović und Lena Grimm füllt sich der so inflationäre Begriff „Innovation“ mit Bedeutung. Beide Unternehmen sind Innovationswerke ihrer Branche, sie produzieren Zukunftsteilchen.

bleed

bleed steht für Nachhaltigkeit, Tierschutz und Lifestyle. 2008 von Local und Skateboarder Michael Spitzbarth in Helmbrechts gegründet, hat sich das Modelabel fest im grünen Markt etabliert – mit ökologischer, fairer und veganer Bekleidung und dem, was bleed „Yeah“ nennt – seinem progressiven, sportaffinen Look. Die zwölf Mitarbeiter testen alle Teile selbst beim Laufen, Klettern, Surfen. In Helmbrechts konzentriert das Label Design, Produktmanagement, Buchhaltung und Lager. Produziert wird zum Großteil in Portugal, zum kleineren in China, Polen und Kroatien, immer GOTS- und Fair Wear-zertifiziert. Vertriebsschwerpunkt ist der deutschsprachige Raum. Für bleed sind Umsatzzahlen nicht alleinentscheidende Größen, dem Unternehmen geht es um seine Performance als Alternative.

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